Die Aussenräume der Meienegg mit kleineren und grösseren, unterschiedlich ausformulierten Plätzen dienen als Begegnungsorte innerhalb der Siedlung.
Nur der Erhalt der Siedlung als Ganzes ist sinnvoll, darin sind sich die Fachleute einig.
Die Architekten Hans und Gret Reinhard schafften es, den Wohnungen trotz ihrer geringen Grösse ein Maximum an Transparenz zu verleihen.
Der Eingangsbereich und das Wohnzimmer wurden durch ein transparentes Metallgitter miteinander verbunden. So konnte auf Korridore, die lediglich als Verkehrsflächen dienen, verzichtet werden.
Die Meienegg beherbergte die erste Alterssiedlung Berns. Sie ermöglichte älteren oder verwitweten Bewohnenden, in «ihrer Siedlung» zu bleiben.
Die Bauten der Siedlung sind überdurchschnittlich gut erhalten: Neben den Eingängen mit ihren geschwungenen Vordächern sind auch die handbearbeiteten Putzflächen und die bauzeitlichen Dachlattenspaliere erhalten.

National bedeutender Zeitzeuge des sozialen Wohnungsbaus

Die Siedlung Meienegg ist die erste genossenschaftlich finanzierte Wohnsiedlung Berns und auch heute noch in einem guten Zustand. Das Frühwerk des Architektenpaars Hans und Gret Reinhard fand bereits zur Bauzeit landesweit Beachtung. Prototypisch wurde hier geplant, was Stadtplanerinnen und Stadtplaner heute noch anstreben: günstige Wohnungen, eine gute soziale Durchmischung, eine hohe Nutzungsvielfalt und lebenswerte Freiräume für alle. Das Inventar schützenswerter Ortsbilder der Schweiz (ISOS) verleiht der Siedlung das Prädikat «von nationaler Bedeutung». Ebenso deutlich empfahl die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege EKD, das Ensemble aufzuwerten: Die Meienegg habe alle Qualitäten, um als «schützenswert» eingestuft zu werden. Die Stadt Bern kam dieser Forderung jedoch bei der Revision des Bauinventars 2016 nicht nach.

Verdichtung auf Kosten der sozialen Durchmischung

Trotz der eindeutigen fachlichen Einschätzung droht einem Grossteil der Siedlung der Abbruch. Die Stadt Bern und die Fambau-Genossenschaft als Eigentümerin möchten die Siedlung «verdichten» und drei Viertel der Häuser durch vier- bis sechsgeschossige Wohnblocks ersetzen. Nur wenige der aktuellen Bewohnerinnen und Bewohner werden sich die merklich teureren Mieten im Ersatzneubau leisten können. Ein Abbruch würde deshalb unweigerlich zur fortschreitenden Gentrifizierung der Stadt beitragen. Vor dem Hintergrund, dass die Meienegg auch heute noch eine gut funktionierende Siedlung mit überdurchschnittlich hoher sozialer Dichte ist, eine äusserst bedauerliche Entwicklung.

Medienberichte

Unser Maiensäss
(Mirko Schwab im KSD, 18. März 2021)

Erbitterter Häuserkampf in Bern-West
(Medienmitteilung Berner Zeitung, 6. März 2021)

Der Heimatschutz sieht rot: Die Siedlung Meienegg soll grösstenteils abgerissen werden
(Medienmitteilung Berner Heimatschutz, Region Bern Mittelland, 23. Februar 2021)

Meienegg - Der Heimatschutz fordert Abbruch des Planungsverfahrens
(Medienmitteilung Berner Heimatschutz, Region Bern Mittelland, 6. September 2019)
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Meienegg: Heimatschutz in Kampflaune 
(Berner Zeitung, 8. September 2019)

FAMBAU und Stadt Bern planen den Abriss einer der wichtigsten genossenschaftlichen Wohnsiedlungen der Schweiz
(Berner Heimatschutz, Region Bern Mittelland, August 2019)

Denkmalpfleger ist gegen Abruch der Siedlung Meienegg
(Berner Zeitung, 22. Juni 2019)

Der faule Kompromiss des Berner Gemeinderats
(Berner Zeitung, 17. Mai 2019)

Die alten Wohnblocks der Meienegg sollen weichen
(Berner Zeitung, 13. Mai 2019)

 

Kontakt

Berner Heimatschutz, Region Bern Mittelland 
info(at)heimatschutz-bernmittelland.ch

«Es wird dann zwar höhere Gebäude und grössere Wohnungen geben, Menschen werden aber immer noch gleich viele in der Siedlung leben. Aufgrund der deutlich höheren Mietzinse wird aber die schwächste soziale Schicht aus der Stadt verdrängt, sie wird sich dort, wo es noch vereinzelt vergleichbare Mietzinse gibt, nämlich in der Agglomeration, eine neue Bleibe suchen müssen. So dehnen wir die Siedlungsfläche letztendlich aus und erreichen das Gegenteil der gewünschten Verdichtung.»  Raphael Sollberger, Berner Zeitung,  6. März 2021.

«Die FAMBAU Genossenschaft und die Stadt Bern haben die Variante Renovation bewusst ausgeklammert», sagt Enrico Riva, Vorstandsmitglied des Berner Heimatschutzes, Region Bern-Mittelland. «Sie haben den Wettbewerb, der jetzt beendet wurde, einzig auf die Variante Abbruch und Neuüberbauung ausgerichtet.» Zur Medienmitteilung vom 23. Februar 2021

«Ein Ansinnen, diese Siedlung abzubrechen und durch Neubauten zu ersetzen, belegt einmal mehr, dass das Wissen um den kulturellen, sozial- und archtitekturgeschichtlichen  [...] architektonischen Stellenwert solcher Bestände  [...] ungenügend ist.»

Jahresbericht 2015 der Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege EKD, S. 4 – 5 zur Einstufungsüberprüfung Siedlung Meienegg in Bern-Bümpliz

«Die Expertenmeinung ist klar und deutlich: Die Siedlung Meienegg ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung und verdient einen entsprechenden Schutz.»

Martin Killias, Präsident Schweizer Heimatschutz

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